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von Paola Biason
Mittwoch, 31. Oktober 2012, 8:46 Uhr
Wetterte bei seinem Konzert in Zürich gegen das Schweizer Gesetz: Entertainer Udo Jürgens. Reuters
«Stellen Sie sich vor, Sie sind ein kleiner Junge, sind gesanglich wahnsinnig talentiert, würden am liebsten jeden Tag auf der Bühne stehen, aber das Gesetz verbietet es Ihnen.» Udo Jürgens' Worte während seines ausverkauften Konzerts am Sonntagabend im Zürcher Hallenstadion lassen die rund 8000 Fans aufhorchen. «So passiert das gerade in der Schweiz», fährt der Entertainer weiter. «In meinem Musical 'Ich war noch niemals in New York' müssen sich zehn Buben die Hauptrolle des Florians teilen, weil das hiesige Amt für Arbeit und Wirtschaft so streng ist.»
Mit diesem Gesetz legt man talentierten Kindern doch Steine in den WegUdo Jürgens
Und tatsächlich: Der Auftritt auf einer Musical-Bühne gilt gemäss Schweizer Gesetz als Arbeit und ist genauestens reglementiert. So darf ein Kind nicht mehr als neun Stunden pro Woche arbeiten. Die Produzenten des Musicals sahen sich also gezwungen, die Hauptrolle auf zehn verschiedene Buben zu verteilen. Bei acht Shows pro Woche und einem rund vierstündigen Zeitaufwand pro Abend kann so jeder Junge maximal zweimal pro Woche auftreten.
Udo Jürgens versteht das nicht. «Mit diesem Gesetz legt man talentierten Kindern doch Steine in den Weg», wetterte er am Sonntag weiter. Und das kam nicht von ungefähr, denn im Publikum sass das gesamte Ensemble seines Erfolgsmusicals, die zehn 9-13-jährigen angesprochenen «Florians» inklusive. In seiner Heimat Österreich sei das Gesetz für minderjährige Künstler viel liberaler. «Da werden junge Talente eben noch gefördert. Sie erhalten die Möglichkeit, schon in jungen Jahren möglichst viel Bühnenerfahrung zu sammeln.»
In Österreich werden junge Talente eben noch gefördertUdo Jürgens
«In Wien haben wir für die Show tatsächlich nur drei Buben engagieren müssen», bestätigt Company-Manager Thorsten Ottersberg, der für die Musical-Produktion verantwortlich ist. Doch er ist nicht unglücklich über die strenge Schweizer Regelung, die übrigens auch in Deutschland herrscht. «Gäbe es sie nicht, gäbe es sicherlich Produktionen, die das ausnützen würden.»
«Ich war noch niemals in New York»: Diese zehn Buben teilen sich in Zürich die Rolle des «Florian». zVg
Überhaupt hat man sich in Zürich sehr angestrengt, den Jungs ein möglichst angenehmes «Arbeitsklima» zu bieten. Die aus 200 Bewerbern auserwählten Buben stammen allesamt aus dem Raum Zürich und Umgebung. «So haben sie keinen allzu weiten Anfahrtsweg und können ihre bewilligten Arbeitsstunden maximal ausnützen», sagt Thorsten Ottersberg.
Gäbe es diese Regelung nicht, gäbe es sicherlich Produktionen, die das ausnützen würdenThorsten Ottersberg, Company-Manager
Und wie sieht es mit der Gage für die minderjährigen Gesangstalente aus? «Darüber geben wir keine Auskunft», so Ottersberg. «Aber es ist sicher genug, um sich eine Gesangsausbildung zu finanzieren.» Und die Kinder werden nicht nur materiell für ihren Einsatz belohnt. «Sie werden von den Schauspielerinnen und Schauspielern hinter der Bühne auch den ganzen Abend verhätschelt», so Ottersberg lachend.
«Ich war noch niemals in New York» läuft vom 1. November 2012 bis 10. Februar 2013 im Theater 11 in Zürich.