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von Léa Spirig
Freitag, 12. Oktober 2012, 17:11 Uhr
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Schauspielerin Antonia Campbell-Hughes zeigt sich bei den Londoner Festspielen bis auf die Knochen abgemagert. Sie behauptet, sie habe für die Rolle der Natascha Kampusch, die sie im Film «3069» verkörpert, abgenommen. WENN
Antonia Campbell-Hughes gibt an den Londoner Festspielen am 10. Oktober ein erschreckendes Bild ab. Die filigrane Schauspielerin hungerte sich scheinbar auch noch das letzte Gramm Fett vom Körper. Als Grund für ihren Gewichtsverlust gibt sie ihre Rolle als Natascha Kampusch im Film «3069» an.
Die 29-Jährige sprach im Juni im «Londoner Standart» über ihre Diät für eine anscheinend authentische Darstellung des Entführungs-Opfers Kampusch: «Ich habe die Art, wie Natascha gegessen hat, verinnerlicht – nicht sehr viel und nicht sehr oft.»
Nur: Wie Natascha Kampusch gleich nach der Flucht aus ihrer achtjährigen Gefangenschaft ausgesehen hat, ist nicht bekannt. Bilder, die zwei Wochen nach der Befreiung entstanden, zeigen eine 18-Jährige, die zwar einen mitgenommenen, aber keineswegs ausgehungerten Eindruck macht.
Rolle hin oder her, die Bilder der abgemagerten Antonia Campbell sind erschreckend. Die Schauspielerin ist aber nicht die Einzige, die mit solchen Bildern für Aufregung sorgt: Denn der Magerwahn grassiert auch bei vielen anderen Prominenten.
Herr Tippelmann, es fällt auf, dass vielen Menschen, die im Rampenlicht stehen, Essstörungen haben. Woran könnte das liegen?
Gerald Tippelmann: Wenn dem so ist, vermute ich, weil sie sich meist stark über ihr Erscheinungsbild definieren und deshalb überdurchschnittlich bewusst die Kontrolle über ihre Ernährung und ihre Bewegung ausüben. Das kann ein auffälliges Essverhalten fördern, das ausser Kontrolle gerät.
Ab wann redet man von einer Essstörung?
Tippelmann: Von einer Essstörung im medizinischen Sinn spricht man, wenn die Betroffenen sich zwanghaft mit dem Thema Ernährung und Körpergewicht beschäftigen. Das kann zu Gewichtsverlust, Mangel- und Fehlernährung führen, aber auch zu Übergewicht und Fettsucht. Vereinfachend wird heute ein BMI unter 17.5 und über 30 für behandlungsbedürftig gehalten.
Abgehungerte Stars zeigen ihre unterernährten Körper. Sind sie sich ihres Untergewichts überhaupt bewusst?
Tippelmann: Sicherlich kennen diese Selbstdarsteller sehr genau ihre Masse und Werte und sind sich folglich auch bewusst, dass sie einer besonderen Gruppe angehören. Ob sie sich der drohenden Folgen oder der krankhaften Dynamik auf längere Frist bewusst sind, darf bezweifelt werden. Kennzeichnend für eine Essstörung mit Krankheitswert ist ja gerade das Zwangs- und Suchtverhalten und damit das fehlende Problembewusstsein.
Was hat das für einen Einfluss auf junge Frauen?
Tippelmann: Identifikation mit falschen Rollenvorbildern, ohne dass dadurch der bei den vermeintlichen Erfolgsmenschen verknüpfte Erfolg damit verbunden wäre. Das Missverständnis besteht in der Annahme, dass diese so erfolgreich sind, weil sie so dünn sind. Das trifft in Teilen nur auf Models zu und ist auch da nur eine Mindestanforderung.