zum Inhalt
zu weiteren Inhalten
zur Hauptrubrikenauswahl
zur Unterrubrikenauswahl
Montag, 16. Juli 2012, 10:29 Uhr
Gibt die Hoffnung nicht auf, eines Tages wieder laufen zu können: Samuel Koch. WENN
Sein Unfall in der ZDF-Show «Wetten, dass..?» im Dezember 2010 hat alles verändert: Mit nur 22 Jahren wird Samuel Koch querschnittsgelähmt und ist seither an den Rollstuhl gebunden. «Ich stand gerade voller Motivation in den Startlöchern meines Lebens und wurde böse ausgebremst.» Zwar sei der Zeitpunkt für so etwas nie günstig, «doch das war und ist schon bitter.» Immerhin könne er auf eine «wirklich schöne Kindheit und Jugend» zurückblicken und er sei dankbar für die tolle Zeit, die er haben durfte.
Ich bin dankbar für die tolle Zeit, die ich haben durfteSamuel Koch
Als Philippe Pozzo di Borgo, dessen Autobiographie die Vorlage für den Kino-Hit «Ziemlich beste Freunde» lieferte, im Jahr 1993 beim Paragliding verunfallte, war er immerhin schon 42 Jahre alt. «Für einen jungen Mann wie Samuel ist es ungleich schwerer, mit so einem Schlag klarzukommen – viel schwieriger als für mich. Ich hatte bereits ein erstes grosses Leben gelebt.» Im Alter von 42 Jahren sei es gewiss leichter, mit einem zweiten, ganz anderen Leben fertig zu werden, als mit 23. «Ich hatte gewiss mehr Glück als Samuel.»
«Manche Leute reden mit mir, als wäre ich nicht nur körperlich, sondern auch geistig behindert», erzählt Samuel Koch im grossen Interview weiter. «Ich kann mir jedoch kaum anmassen zu sagen, dass ich das, als ich noch Fussgänger war, besser zu unterscheiden gewusst hätte.»
Hat mit seiner Autobiographie französische Filmgeschichte geschrieben: Philippe Pozzo di Borgo. Reuters
Auch Philippe Pozzo di Borgo sagt über sein Verhalten vor seinem Unfall: «Ich war so erfolgreich, so schnell, so getrieben, dass ich meine Mitmenschen nicht wahrgenommen habe. Ich habe nicht gesehen, dass es Menschen gibt, die in einem anderen Rhythmus leben.»
Berührt uns!Philippe Pozzo di Borgo
Und die beiden sind sich einig, dass sie sich weniger Berührungsängste von ihren Mitmenschen wünschen würde. «Die Leute haben Angst vor uns», erklärt Pozzo di Borgo. «Das Einzige was uns bleibt, ist, sie zu verführen, mit dem Lächeln, das wir haben.» Wenn der Kontakt einmal hergestellt sei, dann sei der Weg frei. Und er fügt an: «Berührt uns!» So bitte er die Frauen immer, ihn zu umarmen. Und Herren bitte er, ihm die Hand zu geben. «Das ist ein Mittel, um die Leute zu beruhigen, denn sie haben Angst vor ihrer eigenen Schwäche.»
Auch Samuel Koch versucht, in dieser Hinsicht ähnlich zu reagieren wie Philippe Pozzo di Borgo. «Ich sage dann einfach: 'Küssen erwünscht' oder so was in der Art.»
Auf die Frage, ob er hoffe, eines Tages wieder laufen zu können, antwortet Samuel Koch: «Diese Hoffnung möchte ich mir bewahren.» Aber er suche nicht jeden Tag vehement nach neuen Forschungsergebnissen. «Ich lebe erst mal im Hier und Jetzt.» So hat Samuel Koch im April auch wieder sein Studium an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover aufgenommen. Die Hochschule habe ihm interessante und unerwartete Perspektiven eröffnet. «Es macht viel Spass, endlich wieder bei den Menschen und in der Umgebung zu sein, die ich einst liebgewonnen hatte.» (dpa/blan)