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Von Miriam Bosch
Donnerstag, 24. März 2011, 8:42 Uhr
Zwischen britischen und royalen Hochzeitstraditionen: Prinz William und Kate Middleton. Reuters
Die Briten lieben den Ausgang, und so verwundert es kaum, dass die Tradition des Junggesellenabschieds aus England stammt. Während die «Stag Night» (männliche Variante) früher beim Vater des Bräutigams abgehalten wurde und in äusserst feierlichem Rahmen über die Bühne ging, wird heute hemmungslos gefeiert – und das auch auf der Seite der Braut («Hen Night»). Es soll ein gebührender Abschied vom Singleleben sein.
«Unmoralische» Aktivitäten wie ein Besuch in Strip-Clubs und Spielkasinos werden bei William und Kate zwar nicht auf dem Programm stehen, dafür aber mit Sicherheit viele Drinks. Schliesslich organisiert Williams «Best Man» (Trauzeuge) Harry die «Stag Night» für seinen Bruder – und der ist dem Feiern ja bekanntlich nicht abgeneigt. Auch Kates Schwester Philippa, als «Maid of Honor» zuständig für die «Hen Night», ist eine fröhliche Person, die gerne feiert.
Am Tag der Hochzeit selbst wird es britische und royale Traditionen geben. Kate wird sich vermutlich an die Tradition «Something old, something new, something borrowed, something blue and a lucky six-pence in your shoe» halten und fünf Dinge auf sich tragen: Etwas Altes wie die Welt, etwas Neues wie der Tag, etwas Geborgtes wie das Leben, etwas Blaues wie die Treue und eine Glücksmünze als Zeichen des Wohlstandes.
Anbei der Ehering von Lady Di (bei einem Besuch mit Charles bei Papst Paul II. in Rom). Reuters
Dieser Brauch hat sich besonders seit der Hochzeit von Prinz Charles und Prinzessin Diana zu einer beliebten Tradition in England entwickelt. Die klassische Interpretation dieser Sitte ist ein altes Taschentuch, ein neues Hochzeitskleid, geborgter Brautschmuck und ein blaues Strumpfband. Als etwas «Altes» wird Kate womöglich ein Schmuckstück aus der königlichen Familie tragen.
Der Hochzeitsring selbst muss allerdings einer bestimmten königlichen Tradition entsprechen. Dem Hochzeitsbrauch nach muss der Ring zu einem bestimmten Anteil aus walisischem Gold bestehen, der aus den königlichen Goldreserven gefertigt wurde.
Seit 1923, dem Hochzeitsjahr von Queen Mom, kommt das Gold für den Hochzeitsring aus einer Mine in Dolgellau im Norden Wales.
Seit der Hochzeit von Queen Victoria im Jahr 1840 gehört ein Zweig Myrte zu den Hochzeitstraditionen der Royals. Das sprichwörtliche «Kraut der Liebe» soll im Hochzeitsstrauss von Kate Middleton verarbeitet werden und somit die lange Tradition fortführen. Bereits Queen Elisabeth II. und Prinzessin Diana trugen bei ihren Hochzeitsfeiern auch einen Zweig der Pflanze mit sich.
Nach englischer Hochzeitstradition fahren die Gäste in Bentleys oder Rolls Royces zur Kirche – bei den Royals allerdings ist eine Kutsche ein Must. Eigentlich. Denn Kate Middleton wird mit dieser Tradition brechen, was in England zunächst für rote Köpfe gesorgt hatte. Sie bekommt für die Fahrt zum Traualtar jenen Rolls Royce, den Queen Elizabeth II. im Jahr 1977 zum Thronjubiläum geschenkt bekommen hat. Da der Wagen hinten eine durchsichtige Glaskuppel hat, könnten die Millionen Menschen entlang der Strasse und vor den Fernsehern schon vor dem Bräutigam einen Blick auf Kates Hochzeitskleid erhaschen.
Diana Spencer mit ihrem Vater Darl Spencer während ihrer Hochzeit. Keystone
Zurück geht es dann immerhin klassisch per Kutsche. Bei schönem Wetter werden William und Kate nach Angaben des königlichen Stallmeisters Toby Browne in der offenen Kutsche fahren, in der auch Charles und Diana einst von ihrer Trauung heimfuhren. Falls es regnet, wird das junge Paar in einer Glaskutsche von 1881 durch die Londoner Strassen kutschiert.
Zur Trauung selbst gehören neben den Trauzeugen auch die sogenannten «Bridemaids» und «Page Boys». Diese englische Tradition entspricht unseren Brautjungfern und Blumenkindern, wobei die Kinder auch die Schleppe oder das Kissen mit den Eheringen tragen dürfen. Unter diesen wichtigen kleinen Hochzeitsgästen sind auch eine Nichte und ein Neffe von Prinz William: Die dreijährige Grace van Cutsem und der achtjährige Tom Pettifer.
Nach der Trauung wird das Hochzeitspaar in England, wie auch bei uns, traditionell mit Reis als Symbol der Fruchtbarkeit beworfen. Aus ethischen Gründen gibt es neuerdings auch die Variante, das Paar mit Seifenblasen («Wedding Bubbles») zu begrüssen. Danach folgt traditionell der Hochzeitsempfang («Wedding Favor»), an dem häufig auch Dankesgeschenke an die Gäste («Give-Aways») verteilt werden. Bisweilen findet dieser Empfang auch erst am Tag nach der Trauung statt, nicht selten dann auch im kleineren Rahmen – Was bei der Hochzeit von William und Kate allerdings ein Ding der Unmöglichkeit sein dürfte.