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Dienstag, 22. März 2011, 8:26 Uhr
Bruno Ganz gilt als der gefragteste Schweizer seiner Gilde, und das schon seit Jahrzehnten. Eine deutsche Filmkritikerin nannte Bruno Ganz kürzlich den «zurzeit meistgefeierten deutschen Schauspieler» und imdb.com kürte seine Darbietung als Hitler zur «Best Male Performance of the 21st Century» – noch vor Sean Penn, Colin Firth oder Russell Crowe.
Grund zum Lachen hat Bruno Ganz allemal: Der Zürcher feiert seinen 70. Geburtstag und ist immer noch ein gefragter Schauspieler. Reuters
Wenn sich also unser grosser Nachbar mit fremden Federn schmückt und gestandene Oscarpreisträger hinten anstehen müssen, dann muss an dem Zürcher Schauspieler was dran sein. Und tatsächlich: Am Dienstag wird Bruno Ganz 70. Doch in einem Alter, wo andere Senioren-Kreuzfahrten buchen, ist der in Zürich-Seebach geborene Arbeitersohn in der Form seines Lebens. Von den fünf Filmen, die er letztes Jahr gedreht hat, laufen derzeit noch drei: die Hollywood-Produktion «Unknown» mit Liam Neeson und die Altersdramen «Satte Farben vor Schwarz» und «Das Ende ist mein Anfang». Soeben hat er in Frankreich «Sport de filles» abgedreht und im Herbst wird er an der Seite von Oscar-Gewinner Geoffrey Rush in Bille Augusts Verfilmung des Weltbestsellers «Nachtzug nach Lissabon» des Schweizers Pascal Mercier mitwirken.
Dazwischen will er es ausnahmsweise ruhig angehen, sagte er kürzlich der «Basler Zeitung». Auch seinen Geburtstag wird er unspektakulär feiern, zusammen mit seinem Sohn Daniel und seiner Lebensgefährtin, der Theaterfotografin Ruth Walz.
Ob er diesen in Zürich feiert oder an einem seiner anderen Wohnsitze in Venedig und Berlin, ist nicht bekannt. Spätestens am 8. April muss er aber bereits wieder auf der Matte, beziehungsweise auf dem roten Teppich, stehen. Dann präsentiert er als Co-Präsident der Deutschen Filmakademie den Deutschen Filmpreis.
In Deutschland begann auch seine grosse Karriere. Mit 19 hatte er sein erstes Filmengagement als Kellner in «Der Herr mit der schwarzen Melone». Obwohl der damalige Film- und Theaterstar Gustav Knuth ihm eine grosse Filmkarriere voraussagte, dauerte es eine Weile bis zum Durchbruch auf der Leinwand. Zunächst machte Ganz, der die Schauspielschule nie abschloss, eine grandiose Karriere beim Theater. Schon mit 23 spielte er in Bremen Hamlet und Macbeth. Ab 1970 war er fünf Jahre lang in Peter Steins berühmten Berliner Schaubühne-Ensemble. 1972 war er «Schauspieler des Jahres», seit 1996 ist er Träger des Iffland-Rings, der ihn als «bedeutendsten und würdigsten Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters» ausweist.
Mit der Filmkarriere ging es Mitte der 70er Jahre richtig los. In fast 100 Filmen hat der Schweizer bereits mitgewirkt. In Deutschen Hollywood-Produktionen feierte Bruno Ganz seine grössten Erfolge. In zwei Filmen von Wim Wenders: «Der amerikanische Freund», 1977 und «Der Himmel über Berlin», 1987. Für Furore sorgte Bruno Ganz 2004, als er in «Der Untergang» den Führer Adolf Hitler in einer beängstigenden Glaubwürdigkeit verkörperte.
Heute gehört Bruno Ganz zu den gefragtesten Schweizer Schauspielern, sowohl im Inland («Giulias Verschwinden», «Satte Farben vor Schwarz») wie auch in Hollywood, wo er immer wieder mal gerne als Sidekick von den grossen Stars gebucht wird (Cate Blanchett, «The Reader»; Meryl Streep, «The Manchurian Candidate»). (dpa/klemp)